Gewöhnlich verwenden wir die Begriffe „Emotionen“ und „Gefühle“ als Synonyme füreinander. Tatsächlich besteht ein riesengroßer Unterschied zwischen den beiden. Lies dir einfach mal die beiden folgenden Sätze durch und schau, welche Gedanken bei jedem Satz in dir auftauchen:

„Du bist so emotional.“

„Du bist so gefühlvoll.“

Na, welcher Satz ist der schönere? Du wirst festgestellt haben, dass der erste Satz ein wenig abwertend klingt. Anklagend vielleicht. „Du bist so emotional“, ist ein Vorwurf an jemanden, der sich seiner dramatischen Gefühlswelt ergibt. „Du bist so gefühlvoll“, hingegen ist eine Aussage, die auf ganz viel Verständnis beim Gegenüber schließen lässt. Empathiefähigkeit und Achtsamkeit schwingen mit.

Wenn es um das Wahrnehmen der Intuition geht, dann ist es wichtig, zwischen Emotionen und Gefühlen unterscheiden zu können. Ein Beispiel: Landläufig sagen wir „Wenn es sich nicht gut anfühlt, dann mach es nicht!“, und glauben, damit dem Bauchgefühl zu entsprechen. Tatsächlich spüren wir in diesem „es fühlt sich nicht gut an“ aber eine Angst, ein bestimmtes Risiko einzugehen. Diese Angst verhindert, dass wir unsere wahren Gefühle, unsere wahre innere Stimme überhaupt erkennen.

Echte Intuition ist das Wahrnehmen der Stimme hinter Angst, Unsicherheit und Zweifel. 

Daher möchte ich dir heute meinen Zugang zum Erkennen deiner wahren Gefühle mitgeben. Wir beginnen damit, indem wir uns ansehen, was Emotionen sind und was Gefühle.

 

Die Kennzeichen unechter Emotionen

 

Emotionen sind unterdrückte Gefühle aus der Vergangenheit

Emotionen haben ihren Ursprung in der Vergangenheit. Dabei ist es egal, ob diese Vergangenheit fünf Minuten oder fünfzig Jahre her ist. Zum damaligen Zeitpunkt wurden deine Gefühle unterdrückt. Vielleicht hast du als Kind Benimmregeln gelernt („Ein Indianer kennt keinen Schmerz.“, „Brave Mädchen lächeln und sind so stark.“, „Echte Männer weinen nicht.“), oder wolltest dich deinem Chef gegenüber politisch korrekt verhalten. Ganz egal, warum du deine Gefühle unterdrückt hast – dadurch, dass sie kein Ventil gefunden haben, um nach außen zu gelangen, sammeln sie sich in dir.

 

Emotionen entladen sich meist explosionsartig

Jedes unterdrückte Gefühl sammelt sich in dir und wartet darauf ausbrechen zu können. Meist geschieht dies explosionsartig und stürmisch: Du reagierst vollkommen überzogen auf eine harmlose Bemerkung deines Partners. Beim Autofahren begegnen dir nur Idioten, die beschimpft und mit dem Mittelfinger gemaßregelt werden müssen. Die Beraterin im Schuhgeschäft wird mit rollenden Augen und einem Kopfschütteln bedacht, weil sie trotz klarer Anweisungen immer wieder mit falschen Vorschlägen aufwartet. Kurzum: Du bist reizbar, nörglerisch und ungeduldig. Wenn du gelernt hast, dich zu kontrollieren, dann versuchst du dies vielleicht auch bei anderen: Du legst eine innere Stricherlliste an, um die Verfehlungen anderer für dich zu dokumentieren und im geeigneten Moment zum kontrollierten Rachefeldzug zu blasen.

 

Emotionen entfremden dich von dir selbst

In dem Zustand der Emotionalität bist du nicht du. Du verkrampfst dich innerlich, vielleicht spürst du einen Druck auf der Magengegend oder im Solarplexus, wo ein großes Nervengeflecht zwischen Brustbein und Bauchnabel ist. Du verschließt dich, fühlst dich getrennt von dir und von anderen. Du bist nicht gut bei dir. Du bist launisch, ziehst dich zurück. Oft spürst du ein Gefühl von Ohnmacht. In dir drinnen fühlt sich alles eng und klein an. Du bist erschöpft, selbst wenn du genug Schlaf hattest.

 

Emotionen fokussieren auf andere

Wenn du in Emotionen verhaftet bist, dann sprichst du mehr über andere als über dich selbst. Worte wie „immer“, „ständig“, „nie“ tauchen häufig in deinen Sätzen auf. Wenn du theoretisch gelernt hast, dass du über dich und deine Gefühle sprechen sollst, dann äußerst du Sätze wie „Ich habe das Gefühl, dass DU…“ und bist damit indirekt emotional. Diese unterschwellige Emotionalität zeigt sich oft auch dadurch, dass du keinen Augenkontakt mehr zum Gegenüber halten kannst. Du lehnst dein Gegenüber ab, während du gleichzeitig mit deiner emotionalen Aufmerksamkeit bei seinen Verfehlungen und seinem idealisierten Verhalten bist.

 

Emotionen entstehen im Kopf

Durch Sätze wie „Denk, bevor du sprichst!“, haben wir gelernt, alles rational zu bewerten und logisch an Sachverhalte heranzugehen. Unsere Gedanken analysieren eine vergangene Situation nach der nächsten und finden so immer wieder Bestätigungen für die Richtigkeit des eigenen Verhaltens. Das bringt uns noch mehr in eine Art Opferrolle. Vor allem dann, wenn wir uns mit unseren Emotionen identifizieren. „So bin ich halt“, sagt nichts über dein wahres Wesen aus, sondern nur etwas über die Emotion deiner Vergangenheit, an der du heute immer noch festhältst.

 

Emotionen reagieren auf andere, haben ihren Ursprung aber in dir

Eines meiner Lieblingsbilder: Stell dir vor, du hast einige Schnittwunden an deinem Körper. Nun lernst du jemanden kennen. Dein neuer Partner will dich liebevoll an der Hand nehmen und du schreist vor Schmerzen auf, weil dein Partner seinen Finger mitten in eine deiner Wunden gelegt hat. Unbewusst. Weh tut es trotzdem. Du kannst nun hergehen und deinem Partner eine Landkarte deiner Verletzungen zeichnen und ihn bitten, ab sofort jede Berührung deiner Verletzungen auszulassen. Wahrscheinlich wird dein Partner deiner Bitte nachkommen wollen. Er wird Wunden umschiffen und permanent auf der Hut sein. Vielleicht vergisst er einmal eine wunde Stelle und tappt blindlings hinein. Und was ist mit all den anderen Menschen deines Lebens? Soll jeder eine Landkarte bekommen? Und sollst du von jedem Menschen, mit dem du es zu tun hast, ebenfalls eine Landkarte erhalten? Und was ist, wenn du selbst eine Wunde übersehen hast, weil du gar nicht wusstest, dass du diese hast? – Du siehst, alles ganz schön aufregend. Wie viel leichter wäre es doch da, wenn du dich um deine Wundheilung kümmerst, statt Landkarten zu zeichnen! Du hast die Verletzung! Anstatt zu sagen „Du weißt genau, dass mich das verletzt“, heile deine Verletzung. Es ist nicht Aufgabe deiner Umgebung, diese Verletzung zu heilen oder zu umschiffen. Kleb ein Pflaster drauf, verwende Wundsalbe, lass dich nähen. Damit die Wunde, die du hast, verschwinden und gänzlich heilen kann. Dann wird jede Begegnung mit anderen Menschen schöner werden.

 

Die Kennzeichen echter Gefühle

 

Gefühle sind Wahrnehmungen der Gegenwart

Gefühle entstehen immer im Moment und sind auch nur im Moment echt wahrnehmbar. Wenn du die Chance verpasst, ein echtes Gefühl für dich oder für andere zu benennen, und es unterdrückst, dann wird daraus eine Emotion.

 

Gefühle lassen dich die Welt neutral sehen

Egal ob Freude oder Traurigkeit: Wenn es echte Gefühle sind, dann kannst du sie wahrnehmen, ohne gleichzeitig dabei emotional einsteigen zu müssen. Gefühle sind im Gegensatz zu Emotionen viel leiser, im Sinne von unaufgeregter oder neutraler. Das ist für viele von uns oft schwer auszuhalten, weil wir unser Drama so sehr lieben. Wenn unser Leben dramatisch ist, wenn wir tiefe emotionale Traurigkeit verspüren und zum Ausdruck bringen können, dann fühlen wir uns lebendig. Das kommt daher, weil wir nie wirklich Gefühle zeigen durften und es starker Emotionen bedarf, damit wir ein Gefühl von „in Verbindung mit uns sein“ verspüren können. Tatsächlich ist es umgekehrt.

 

Gefühle verbinden dich mit dir selbst

Anfangs mag unsere neue „Gefühlvollheit“ unangenehm sein. Wir wollen nicht verletzlich sein. Tatsächlich macht uns unsere Verbundenheit mit uns und unserer Wahrnehmung nicht nur besonders, sondern auch besonders offen und authentisch. Gefühlsbetonte Menschen können schnell und frei reagieren. Da wir in dem Zustand des echten Wahrnehmen wirklich erkennen, warum es gerade geht, können wir natürlich und frei von Zwängen auf jede Situation reagieren. Wenn wir aus dem Herzen sprechen, dann berühren wir unser Gegenüber unmittelbar in dessen Herz. Diese Verletzlichkeit wird nicht ausgenutzt werden. Im Gegenteil – du wirst auf Akzeptanz und Wertschätzung treffen.

 

Gefühle legen den Fokus wieder auf dich

Anstatt zu sagen „Ich habe das Gefühl, dass DU…“, sage „Ich fühle…“. Dein echtes und wahres Gefühl hat in jedem Moment seine Berechtigung. Du wirst genau das finden, wonach du dich am meisten in deinem Leben sehnst: dich selbst! Es wird dich entspannen, so ehrlich und aufrichtig mit dir selbst umzugehen und zu deiner Gefühlsbetontheit zu stehen. In Wahrheit sind wir alle gefühlvolle Wesen und wir sehnen uns nach diesem Urzustand zurück. Durch dieses Wahrnehmen dessen, was jetzt gerade im Moment ist, wirst du entspannen. Sogar dann, wenn Schmerz in dir spürbar ist. Das Erkennen und Aussprechen des Schmerzes für dich ist ein Zeichen des Respekts dir selbst gegenüber, den du wahrscheinlich viel zu lange vermissen hast lassen. Du wirst merken, dass du in Verbindung mit deinen Gefühlen bist, wenn du deinem Gegenüber dabei in die Augen sehen kannst. Weil du durch die Akzeptanz deiner eigenen Gefühle auch dein Gegenüber annehmen kannst.

 

Zwischen unechten Emotionen und echten Gefühlen unterscheiden

 

Wie gelingt es dir nun im Alltag, zwischen Emotionen und Gefühlen zu unterscheiden?

 

Schritt 1: Erkenne, dass du emotional bist

Wenn du laut wirst oder dich bewusst zusammenreißen musst, um ruhig zu bleiben, wenn du keine Luft mehr bekommst, wenn du gereizt und launisch wirst, wenn du das Gefühl hast, die Bodenhaftung zu verlieren, nicht mehr im Flow zu sein, über andere schimpfst und an allem etwas auszusetzen hast, dann bist du in diesem Moment mit Sicherheit in deinen Emotionen gefangen.

 

Schritt 2: Akzeptiere, dass du emotional bist

Sag zu dir selbst oder zu deinem Gegenüber laut „Ich bin gerade emotional.“ Das entspannt dich und deinen Partner. Emotional zu sein, ist nicht schlimm. Ganz im Gegenteil! Emotionen als solche zu erkennen, leitet gleichzeitig den Heilungsprozess ein. Sobald du weißt, dass es da eine Wunde an dir gibt, kannst du dich schon um die Wundversorgung kümmern.

 

Schritt 3: Heile deine Emotionen

Als Sofortmaßnahme kannst du deiner Emotionen ein Ventil geben. Unterbrich den Streit mit deinem Partner, die Diskussion mit deinem Kollegen. Lauf eine Runde um den Block, besorg dir einen Boxsack, schlag auf ein Kissen ein. Emotionen wollen sich entladen. Gib ihnen den Raum. Doch bitte lade die Emotion nicht bei deinem Gegenüber ab – denn: Niemand hat Schuld. Weder dein Partner kann etwas dafür, dass du emotional bist noch du selbst. Akzeptiere die Situation, sei lieb zu dir. Dann kümmere dich darum. Langfristige Heilung kannst du beispielsweise erwirken indem du in emotionalen Situationen mit dem Herzklopfen-Satz arbeitest oder die Heilsätze sprichst. Oder du gehst mehr in die Tiefe und findest die Ursache. Das kannst du alleine tun oder dir in einem Reading Unterstützung suchen.

 

Jede Emotion hat ihre Berechtigung!

 

Wisse, dass deine Emotionen aus gutem Grund da sind. Emotionen sind wie die Wunden, die geheilt werden wollen. Begrüße jede Emotion und freue dich, dass du eine neue Chance hast, noch glücklicher zu sein und noch mehr bei dir selbst anzukommen.

 

Jedes Gefühl zeigt dir, wer du bist!

 

Jedes Gefühl zeigt dich mit deiner Wahrhaftigkeit. Du bist einzigartig! Und das ist ein riesengroßes Geschenk. Es geht nicht darum, Gefühle zu unterdrücken, sondern Emotionen loslassen zu lernen, um zu deinen wahren Gefühlen vorzudringen. Dich selbst zu erkennen mit deinen Bedürfnissen und dir diese dann zu erfüllen, das ist der größte Schatz, den du in deinem Leben finden wirst. Du wirst so reich beschenkt werden. Und überrascht sein, dass die Quelle dieses Schatzes niemals versiegt, wenn du dich gefunden hast. Und mit Engagement den Weg auf dich genommen hast, zum Kern deines Wesens und deines wahren Seins vorzudringen. Der Weg dorthin lohnt sich. Emotionen weisen dir den Weg, Gefühle zeigen dir deine Wahrhaftigkeit.

 

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